Alfred Escher
Donnerstag, 1. Februar 2007

Alfred Escher 1819 - 1882

446px-alfred_escher_photoAlfred Escher, Politiker und Industrieller, stellte die Weichen für eine moderne Schweiz. Er stammte aus der alten und einflussreichen Zürcher Familie Escher vom Glas, die viele Ratsherren, Politiker und Ingenieure hervorgebracht hat. Sein Grossvater Hans Caspar Escher (1755-1831) musste nach dem bis dahin grössten Konkurs in Zürich auswandern und trat in russische Kriegsdienste. Der Vater, Heinrich Escher, (1776-1853), schaffte die Rückkehr und kam mit einem grossen Vermögen aus Amerika zurück. Escher wuchs im Quartier Enge in der Villa Belvoir auf. Seine Mutter war Henriette Lydia Zollikofer. Schon in jugendlichen Jahren erlebte Escher in seinem Elternhaus, wie heftig politisch debattiert wurde. Escher ergriff bald Partei für die Radikalen, aus denen später der Freisinn hervorging. 1857 heiratete Alfred Escher Auguste von Uebel. Ihr einziges Kind, Lydia, wurde später die Frau des Bundesratssohns Friedrich Emil Welti. Ihre Affaire mit dem Künstler Karl Stauffer machte Skandal. Lydia nahm sich 1891 das Leben. Stationen aus dem Leben
1819 Geburt am 20. Februar

1844 Kantonsrat Zürich bis 1882; Präsident 1848, 1852, 1857, 1861, 1864, 1868
1845 Tagsatzungsabgeordneter
1845 Erziehungsrat Kanton Zürich bis 1855; Präsident ab 1849
1848 Regierungsrat Kanton Zürich bis 1855; Präsident 1849, 1850, 1851, 1854
1848 Eidgenössischer Kommissar im Tessin
1848 Nationalrat bis 1882; Präsident 1849/50, 1856/57, 1862/63 (Verzicht 1855)
1848 Kirchenrat Kanton Zürich bis 1855
1853 Nordostbahn (NOB), Direktionspräsident bis 1872, Präsident des Verwaltungsrats 1879 – 1882
1854 Eidgenössisches Polytechnikum (ETHZ), Vizepräsident des Schulrats 1854 – 1882
1856 Schweizerische Kreditanstalt (heute Credit Suisse), Präsident des Verwaltungsrats 1856 – 1877 und 1880 – 1882
1857 Heirat mit Augusta Uebel (1838 – 1864)
1857 Schweizerische Rentenanstalt (heute Swiss Life), Aufsichtsrat 1858 – 1874
1859 Grosser Stadtrat Zürich bis 1875
1860 Präsident Schulpflege Zürich bis 1869
1872 Direktionspräsident Gotthardbahngesellschaft bis 1878
1882 Eröffnung Gotthardbahn am 22. Mai
1882 Tod am 6. Dezember
1891 Mit dem Selbstmord der kinderlosen Lydia Welti-Escher stirbt die Familie von Alfred Escher aus.


Alfred Escher kann als Mitbegründer der Schweizerischen Kreditanstalt (heutige Crédit Suisse), der Nordostbahn, der ETH, der Schweizerischen Rentenanstalt und als Initiant des Gotthardtunnels als einer der Väter der modernen Schweiz bezeichnet werden. Seiner Machtfülle wegen wurde er auch König Alfred und Zar von Zürich genannt.

Von Anfang an führte er sich als Eisenbahnpolitiker ein und reichte auch gleich eine Motion ein, einen Plan für ein allgemeines schweizerisches Eisenbahnnetz auszuarbeiten und Bestimmungen für deren Konzessionierung auch durch Privatgesellschaften zu entwerfen. In der Mehrheit der darauf installierten Kommission und im Bundesrat war man der Meinung, der Eisenbahnbau solle eine Staatssache sein, während die Minderheit der Kommission um Escher den Bau auf Privatbasis bevorzugte. 1852 wurde ein Eisenbahngesetz ausgearbeitet und am 28. Juli des gleichen Jahres passierte dieses Gesetz den Nationalrat. Darin war aufgeführt, dass man den Gesellschaften möglichst Freiheit lasse und der Bund Konzessionen nicht aus anderen als militärischen Gründen verweigern dürfe.

Alfred Escher wollte darauf den Beweis leisten, dass die Schweiz auch bei Privatbau zu Eisenbahnen kommt und er wurde Präsident der Zürich-Bodenseebahn (Zürich-Winterthur-Romanshorn), welche am 28. Januar 1853 die Konzession des Bundes erhielt. Seine Bahn fusionierte danach mit der Schweizerischen Nordbahn (Zürich-Baden) zur Schweizerischen Nordostbahn. An der Gründungsversammlung vom 12. September 1853 wurde er Präsident der Direktion und blieb es bis anfangs 1872, als er an die Spitze der Gotthardbahngesellschaft berufen wurde. Er blieb aber noch bis zu seinem Tode im Jahr 1882 Verwaltungsratspräsident der Nordostbahn.

Schon früh setzte sich Escher für eine schweizerische Alpenbahn ein. 1861 setzte er sich vorerst noch für die Lukmanier-Linie ein, schwenkte aber nach gründlichen Studien auch auf die Erstellung einer Gotthardbahn um. Auf seine Initiative schlossen sich im August 1863 15 Kantone und die beiden Gesellschaften Centralbahn und Nordostbahn zu einer "Vereinigung zur Anstrebung der Gotthardbahn" zusammen. Escher beteiligte sich im Ausschuss an den Verhandlungen mit Geldgebern, eidgenössischen und kantonalen Behörden, den Nachbarstaaten Deutschland und Italien sowie weiteren Gruppierungen. So siegte schliesslich der Gotthard über die anderen Alpenbahnprojekte.

1872 wurde Alfred Escher an die Spitze der Gotthardbahn-Verwaltung berufen und Mitte 1873 begannen die Bauarbeiten an der Bahn. Ungeheure Schwierigkeiten und grosse Mehrkosten belasteten den Bau. Es folgten heftige Vorwürfe in Richtung des Direktionspräsidenten Escher und als auch noch der bisherige Gesellschaftssitz von Zürich nach Luzern verlegt werden sollte, warf Alfred Escher das Handtuch und reichte am 2. Juli 1878 seinen Rücktritt ein. Am 1. Juni 1882 wurde die Gotthardbahn eingeweiht, Escher konnte aber vom Tod gezeichnet nicht daran teilnehmen. Ende desselben Jahres starb Alfred Escher.

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Am 22. Juni 1889 wurde auf dem Bahnhofplatz vor dem Zürcher Hauptbahnhof das von Richard Kissling erbaute Alfred-Escher-Denkmal eingeweiht und dieser Brunnen erinnert auch heute noch an diesen bedeutenden, schweizerischen Eisenbahnpionier.

Der Nachlass von Alfred Escher befindet sich in folgenden Archiven und Bibliotheken:
Schweizerisches Bundesarchiv, Bern Landesbibliothek des Kantons Glarus, Glarus Staatsarchiv des Kantons Zürich, Zürich

Quellen: Geschichte der Schweiz, Schwabe Verlag Basel / Dieser Artikel basiert teilweise auch aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.